Es gibt verschiedene Strömungen von Freikirchen. Die einen haben strengere Regeln, die anderen sind lockerer.
Immer aber geht es Mitgliedern der Freikirchen auch darum, andere, nichtgläubige Menschen in ihre Kirche zu holen. Zum Beispiel seit 1998 durch die "Jesus House"-Veranstaltungen, die neuerdings "Truestory" heißen.
Im Film "Gotteskinder" haben wir es mit einer ziemlich strengen Freikirchen-Variante zu tun.
Hannah (Flora Li Thiemann) und ihr Bruder Timotheus (Serafin Mishiev) wachsen in einem streng gläubigen Haushalt auf. Besonders Hannah engagiert sich in der Freikirche. Ihr Vater David (Mark Waschke) ist auch hohes Mitglied in der Gemeinde.
Aber die beiden Teenies haben zu kämpfen. Hannah will keinen Sex vor der Ehe, sie will keusch bleiben. Aber sie muss sich irgendwann eingestehen, sich in den Nachbarjungen Max (Michelangelo Fortuzzi) verknallt zu haben. Timotheus Unterdessen verliebt sich ausgrechnet in seinen Freund Jonas (Lennox Halm) - und fühlt sch schlecht, weil ja nicht sein kann, was nicht sein darf.
Die Jugendlichen geraten in einen Strudel aus Angst, Wut und Trotz. Denn Vater David will das alles nicht hinnehmen.
In ihrem Film "Gotteskinder" widmet sich Frauke Lodders einem wichtigen Thema, das in der Gesellschaft immer mehr Raum einnimmt. Denn die freikirchlichen Gemeinden sind in Deutschland immer erfolgreicher, in den USA haben sie schon lange einen großen Einfluss.
Der Film zeigt den ganzen Wahnsinn, den der Glauben anrichten kann. Denn es sind die Menschen, die andere Menschen erziehen wollen. Menschen, die Bibelstellen so für sich interpretieren, dass sie damit andere unterdrücken können.
Das ist mitunter schwer zu ertragen. Allerdings teilweise auch sehr konstruiert. Dass die Mutter des Nachbarjungen es zulässt, dass ihr 17-jähriger Sohn von David in ein Kirchenerziehungscamp geschickt wird, ist ziemlich unglaubwürdig. Dort trifft er auf Timotheus, der dort mit seinem Outing kämpft und von den Kirchenleuten gedrängt wird, sein Schwulsein zu unterdrücken. Max ist der Antityp, darf aber trotzdem mit Timotheus in ein Zimmer - was schlicht nicht logisch ist.
Allerdings braucht der Film die Figur "Max", denn er ist der große Antagonist, der zweifelt und versucht, Hannah und Timotheus aus diesem Sumpf zu befreien. Damit wird zwar viel Wahres erzählt, und de Botschaft ist definitiv nicht falsch, aber manchmal ist das alles ein wenig zu gewollt.