Mit großem Erfolg kommen auch Ruhm und Reichtum: Klingt durchaus nachvollziehbar, ist aber nicht immer so. Auch nicht in Hollywood. Das bestätigt nun Regisseur Brady Corbet. Falls euch dieser Name erst einmal überhaupt nichts sagt: Der 36-jährige Amerikaner machte bereits mit seinem Popstar-Drama „Vox Lux“ (mit Natalie Portman) von sich reden – und ist aktuell vor allem mit seinem Mammutwerk „Der Brutalist“ in aller Munde.
Das 3,5-Stunden-Epos spielte bis dato nicht nur über 30 Millionen Dollar und damit mehr als das Dreifache seiner Kosten ein, sondern wird von Fachpresse und Publikum gleichermaßen gefeiert. So gab es in der offiziellen FILMSTARTS-Kritik die vollen fünf Sterne sowie Oscarnominierungen in gleich zehn Kategorien – unter anderem als Bester Film.
Die fiktive Geschichte des visionären Architekten Lászlo Toth, der nach dem Zweiten Weltkrieg in die Vereinigten Staaten auswandert, um sich ein neues Leben aufzubauen, geht in der Nacht vom 2. auf den 3. März in einigen Sparten als Favorit in das Academy-Award-Rennen. Während sich Hauptdarsteller Adrien Brody große Chancen auf eine Auszeichnung machen darf, sprach sein Regisseur jetzt allerdings über die Kehrseite seines Erfolges – und enthüllte überraschend, inwiefern sich sein Hit (nicht) auf seinen Kontostand ausgewirkt hat…
Brady Corbet hat mit "Der Brutalist" kein Geld verdient
Als Gast im Podcast WTF von Marc Maron sprach der Filmemacher nun darüber, ob sich seine Arbeit aktuell denn auch finanziell lohne – und enthüllte dabei: Er habe kürzlich eine Reihe von Werbeclips in Portugal inszeniert – und damit zum ersten Mal seit Jahren Geld wieder verdient!
Im Gespräch verriet der Regisseur, dass er und seine Ehefrau sowie Mitarbeiterin Mona Fastvold „keinen einzigen Dollar an den letzten beiden Filmen verdient“ haben, an denen das Duo gearbeitet hat. „Ja, tatsächlich gar nichts. Wir mussten gewissermaßen von dem Gehalt von vor drei Jahren leben“.

Ob er damit auf seine Arbeit an der Miniserie „The Crowded Room“ anspielt oder sein Engagement für das Musikvideo zu „Thérèse“ von Maya Hawke meint, ist nicht klar – und am Ende auch nebensächlich. Denn wie der Oscaranwärter weiter ausführt, ist er damit keinesfalls ein Einzelfall:
„Ich habe mit vielen Filmemachern gesprochen, deren Filme dieses Jahr ebenfalls nominiert sind, die ihre Miete nicht bezahlen können“, so Corbet über seine mit ihm im selben Boot sitzende Kollegschaft. Konkrete Namen nennt er dabei aber natürlich nicht. Übrigens haben auch viele andere an „Der Brutalist“ beteiligte Cast- und Crew-Mitglieder auf ihr Gehalt verzichtet, um mit dem verhältnismäßig schmalen Budget die fantastischen Schauwerte des Films zu stemmen.
Seit der Premiere von „Der Brutalist“ im vergangenen September habe er zudem kein Einkommen, weil seitdem die Pressetour zu dem Film im Gange ist, erklärte Corbet weiter. Er führe teilweise sogar 90 Interviews in einer Woche, sei ständig unterwegs, arbeite auch samstags und sonntags und habe seit Weihnachten so keinen freien Tag mehr gehabt. Deswegen habe er aktuell noch nicht einmal die Möglichkeit, neue Jobs anzunehmen.
"Der Brutalist": Unbedingt sehenswert!
Unabhängig davon, wie viel Geld von eurem gekauften Ticket letztlich beim Filmemacher selbst ankommt, können wir „Der Brutalist“ uneingeschränkt empfehlen. Nicht nur lohnt sich der Kinobesuch zur Einstimmung auf die anstehende Oscarverleihung. Zudem erwartet euch ein wahrlich monumentales Meisterwerk der ganz besonderen Art – oder wie FILMSTARTS-Chefredakteur Christoph Petersen im Fazit seiner Besprechung unter anderem festhält:
„The Brutalist“ ist ein wahnsinnig ambitionierter und trotz seiner stolzen Laufzeit konstant mitreißender Instant-Klassiker, der so ziemlich alle anderen Kino-Biografien, ob nun von realen oder fantasierten Personen, plötzlich ziemlich unbedeutend und klein erscheinen lässt.
Wie der wohl umstrittenste Film der Award-Saison zusätzliche Spannung in das diesjährige Oscarrennen bringt, erfahrt ihr indes hier:
Darum beschert uns der "Emilia Pérez"-Skandal das spannendste Oscar-Rennen aller Zeiten