Mehr als 40 Takes: Mit dieser heiklen Szene brachte Francis Ford Coppola seinen "Apocalypse Now"-Star an den Rand der Verzweiflung
Patrick Fey
Patrick Fey
-Freier Autor
Patrick Fey ist freier Autor und in dieser Funktion unter anderem auch als Filmkritiker für FILMSTARTS.de tätig.

Dass das Drehen mit Francis Ford Coppola nicht immer leicht ist, das ist hinreichend bekannt und belegt. Laurence Fishburne, einer der langjährigen Kollaboratöre des Meisterregisseurs, kann davon ein Lied singen.

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Vor wenigen Tagen erschien auf Apple TV+ die zweiteilige Dokumentation „An der Spitze“, in der sich eine illustre Reihe Schwarzer Darsteller (Teil 1) und Darstellerinnen (Teil 2) zu den Problemen äußern, mit denen sie während ihrer Zeit in Hollywood konfrontiert wurden. Dass im Rahmen eines solchen Projekts allerhand unschöne Anekdoten ans Tageslicht gefördert werden, dürfte sich von selbst verstehen. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte „Matrix“-Star Laurence Fishburne, der neben Black-Hollywood-Größen wie Jamie Foxx, Will Smith und Daniel Kaluuya in der Dokumentation zu sehen ist.

Die Dokumentation könnt ihr als Apple TV+-Mitglied kostenlos streamen (Ein kostenloses siebentägiges Probeabo lässt sich auch abschließen).

Angesprochen auf Francis Ford Coppolas Klassiker „Apocalypse Now“ über den amerikanischen Krieg in Vietnam erinnert sich Fishburne an eine unangenehme Situation am Set. In einer der Szenen, die letztlich nicht in der Kinofassung des Filmes landete, sollte der Schauspieler, der seinerzeit gerade einmal 14 oder 15 Jahre alt war, über Sex sprechen. Und das, obwohl er zu diesem Zeitpunkt „überhaupt keine Erfahrung damit“ hatte.

40 Takes und große Frustration

In der Apple-TV+-Dokumentation führt Fishburne seine Erinnerung an den Moment noch weiter aus und erklärt: „Coppola wusste nicht, wie er mich überzeugender machen konnte, aber er ließ mich die Szene immer und immer wieder drehen – ungefähr 40 Mal. Es war wirklich mies. Ich konnte sehen, dass er enttäuscht war, und das zog mich sehr herunter.“

Inmitten dieser frustrierenden Erfahrung fand Fishburne dennoch Trost im Zuspruch seines Co-Stars Martin Sheen. Dieser soll ihm ins Ohr geflüstert haben: „‚Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du ein wirklich guter Schauspieler bist?‘“. Fishburne habe schlicht mit „Nein“ geantwortet, woraufhin Sheen laut Fishburne insistierte: „‚Doch, du bist ein wirklich guter Schauspieler.‘“

Diese Worte hätten ihm enormen Halt gegeben, so Fishburne. „Das ist es, was es für mich bedeutet, die Nummer eins auf einem Call Sheet zu sein“, fügt er daraufhin noch hinsichtlich des Originaltitels der Apple-Serie („On the Top of the Call Sheet“) hinzu, anspielend auf Martin Sheens Akt der Solidarität in diesem Moment. Zwar wurde jene Szene aus der Kinofassung von „Apocalypse Now“ gestrichen, allerdings findet sie sich in der später erschienenen Redux-Version.

Keine bleibenden Spannungen mit Coppola

Wenngleich die Szene Fishburne unangenehm im Gedächtnis blieb, ist seine Beziehung zu Coppola daran nicht zerbrochen. Erst im Vorjahr war Fishburne in Coppolas „Megalopolis“ zu sehen, anschließend an eine Reihe von Rollen in Coppola-Filmen wie „Rumble Fish“, „The Cotton Club“, „Gardens of Stone“.

Es ist das zweite Mal binnen weniger Monate, dass Fishburne sich zu einem der kompliziertesten Drehs der Hollywood-Geschichte äußert und damit beweist, dass auch mit der später folgenden Dokumentation „Hearts of Darkness: A Filmmaker's Apocalypse“ noch längst nicht alles zum Dreh am Meilenstein des Kriegsfilms bekannt ist. Zuletzt hatte er davon erzählt, mit welcher Notlüge er sich seinerzeit die Rolle sicherte. Wer die Geschichte verpasst hat, kann sie hier nachlesen:

Heute kennt ihn jeder: Dieser Schauspieler musste lügen, um seine Durchbruchsrolle im besten Kriegsfilm aller Zeiten zu bekommen

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