Vor 40 Jahren machte er seine ersten Schritte vor der Kamera, heute ist er ein Megastar: Habt ihr ihn erkannt?
Sebastian Groß
Sebastian Groß
-Freier Autor
Manchmal fühlt er sich alt, weil er damals „The Big Lebowski“ oder „Matrix“ zum Kinostart gesehen hat. Andererseits konnte er damals „The Big Lebowski“ und „Matrix“ zum Kinostart sehen. Zum Glück behält er das für sich, außer jemand fragt ihn. Jetzt fragt ihn halt endlich.

Bevor er zum Oscar-prämierten Hollywood-Star wurde, segelte ein späterer Weltstar als Teenager durch Neuengland – in einer Serie, die den Grundstein nicht nur für seine Karriere legte.

PBS Wonderworks

Wer den Begriff Neuengland hört, denkt vermutlich nicht zuerst an Segelboote oder Bildungsfernsehen – sondern an Nebel, düstere Wälder und die Romane von Stephen King. Der berühmte Horrorautor hat schließlich den Großteil seiner Werke in eben jener Region angesiedelt.

Doch jenseits literarischer Albträume ist Neuengland – bestehend aus sechs Bundesstaaten im Nordosten der USA – eine historisch und kulturell bedeutsame Gegend. Sie gilt als Wiege der amerikanischen Kolonialgeschichte und ist nicht zuletzt dank Elite-Universitäten wie Harvard oder Yale weltweit bekannt.

Und dennoch existiert ein Kapitel Fernsehgeschichte, das mit all diesen Assoziationen bricht – und dennoch bemerkenswert bleibt. Denn vor der rauen Küste von Massachusetts, zwischen Segeltörn und Schulfernsehen, nahm in den 1980er-Jahren die Karriere eines Mannes ihren Anfang, der später zu einem der bekanntesten Gesichter Hollywoods werden sollte: Ben Affleck.

Bildungsfernsehen mit Hollywood-Nachklang

Lange bevor er als Drehbuchautor, Oscarpreisträger und Blockbuster-Star internationale Bekanntheit erlangte, stand Affleck als Teenager für eine Serie vor der Kamera, die heute nur noch wenigen geläufig ist – insbesondere außerhalb der Vereinigten Staaten. Der Titel: „The Voyage Of The Mimi“.

Es handelt sich um eine Bildungsserie, die 1984 im Auftrag des US-Schulfernsehens produziert wurde. Ihr Ziel: naturwissenschaftliche Themen auf unterhaltsame und zugängliche Weise zu vermitteln. In Deutschland wurde sie unter dem Titel „Die abenteuerliche Fahrt der Mimi“ im ZDF ausgestrahlt.

Die Serie zeichnete sich durch ein ungewöhnliches Format aus: Jede Folge kombinierte eine fiktionale Abenteuergeschichte mit einem dokumentarischen Teil. Im ersten Segment begleitete man eine Gruppe Jugendlicher an Bord der echten Segelyacht „Mimi“.

Hier verbanden sich klassische Coming-of-Age-Elemente mit wissenschaftlichen Inhalten. Im zweiten Abschnitt traten die Darsteller*innen aus ihren Rollen heraus und befragten reale Wissenschaftler*innen zu den behandelten Themen. Ein damals innovativer und durchaus ambitionierter Ansatz – seht selbst:

Ben Affleck übernahm darin die Rolle eines Jungen namens – wie passend – Ben, dem Enkel des Kapitäns, der seinen Sommer auf dem Boot verbringt und dabei nicht nur den Ozean, sondern auch sich selbst besser kennenlernt. Der spätere Hollywoodstar war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal zwölf Jahre alt.

Peinlich? Vielleicht. Aber wegweisend!

Afflecks Schauspiel war von natürlicher Präsenz geprägt. Für ihn selbst war die Serie jedoch lange ein Grund zur Verlegenheit – möglicherweise auch deshalb, weil er die Rolle nicht zuletzt über eine befreundete Casting-Direktorin seiner Mutter erhalten hatte. In einem Interview mit dem US-Sender SiriusXM erinnerte sich Affleck 2020 an seine Anfänge im Fernsehen und sagte:

„Sie castete damals eine Kindersendung über Wissenschaft und Mathematik – eine Art Vorgänger von ‚Dora The Explorer‘ für PBS. Ich war sieben oder acht und bekam tatsächlich die Rolle … Hin und wieder verließ ich die Stadt, um diese Serie namens ‚The Voyage Of The Mimi‘ zu drehen. Und sie war kitschig, ich schämte mich dafür. Es war nicht so, dass ich zurückkam und sagte: ‚Ihr müsst das unbedingt sehen! Ich bin so cool!‘“

Mittlerweile blickt der Schauspieler gelassener auf seine ersten Schritte vor der Kamera zurück. Die Arbeit an der Serie sieht er heute als wichtigen Ausgangspunkt seiner Karriere. Sie habe sein Verständnis von Schauspielerei geprägt und in ihm eine tiefe Begeisterung für das kreative Handwerk geweckt.

"The Voyage Of The Mimi" war der Startschuss für gleich zwei Hollywood-Karrieren

Auch im persönlichen Umfeld blieb die Wirkung dieser frühen Rolle nicht aus – sein enger Freund, niemand Geringeres als Matt Damon („Oppenheimer“), reagierte damals mit Neid, was ihn, so Affleck mit einem Augenzwinkern, schließlich selbst zum Film geführt habe:

„Matt Damon war damals unglaublich eifersüchtig, und das hat ihn zu einer Karriere im Film getrieben. Insofern nehme ich das ganz klar für mich in Anspruch.“

Gemeinsam mit Damon gelang Affleck Jahre später der große Durchbruch: Mit dem Drama „Good Will Hunting“ (1997) schrieben sich die beiden in die Filmgeschichte. Der von Kritik (4,5 Sterne bei FILMSTARTS!) und Publikum gefeierte Film brachte ihnen nicht nur internationale Anerkennung, sondern auch den Oscar für das beste Originaldrehbuch ein.

Heute ist „The Voyage Of The Mimi“ ein charmantes Relikt aus einer anderen Fernsehzeit. Die Serie mag in Vergessenheit geraten sein, doch für Affleck bedeutete sie weit mehr als ein bloßes Jugendprojekt – sie war der erste Schritt auf dem langen Weg zu einer beeindruckenden Hollywoodkarriere.

Und auch wenn ihm die Serie damals peinlich war, gibt er selbst zu, dass er im Laufe seiner Laufbahn durchaus für weitaus fragwürdigere Projekte vor der Kamera stand. Mehr dazu im folgenden FILMSTARTS-Artikel.

"Es war demütigend": Ben Affleck spricht über den schlimmsten Job seiner Karriere

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